
Geschäftsadresse:
Dr. med. Johannes Döser
Wolfgang Loch Stiftung
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45239 Essen-Werden
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ANKÜNDIGUNG
zur 27. Wolfgang Loch Vorlesung sowie
der 5. Verleihung des Wolfgang Loch Preises
Am Freitag, dem 23. Oktober 2026, um 17:00 Uhr, spricht der Preisträger
Priv.-Doz. Dr. Dr. Wolfgang Hegener
zum Thema
„Die talmudische Denkweise kann ja nicht plötzlich aus uns verschwunden sein.“
Koreferat
Sandra Dörrenbächer
Diskussion mit dem Auditorium
Ende der Veranstaltung gegen 20 Uhr
Ort: im Hörsaal der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kli nikums der Eberhard Karls Universität, Calwer Str. 14, 72076 Tübingen.
1908 schreibt Karl Abraham, nachdem er Freuds Buch über den Witz gelesen hatte und in einem Absatz den ganzen Aufbau und die Tech nik talmudisch fand: »Die talmudische Denkweise kann ja nicht plötz lich aus uns verschwunden sein«. Der Hinweis auf diese spezifisch jüdische Tradition stand im Kontext der beginnenden Auseinander setzungen mit C.G. Jung. Wenige Tage zuvor hatte Freud Abraham um Nachsicht gebeten: Er habe es als Jude wesentlich leichter, zur Psychoanalyse zu finden als Jung, und der Anschluss des Christen und Pfarrerssohnes Jung an die Psychoanalyse verhindere, dass diese eine bloß »jüdisch nationale Angelegenheit« werde. Die jüdischen Wur zeln der Psychoanalyse – zumal die talmudischen, die sowohl in der Geschichte des Christentums als auch im liberalen Judentum und in der »Wissenschaft vom Judentum« als überholt, modernitätswidrig und geradezu als »barbarisch« galten – mussten strikt verdeckt und gegenbesetzt werden, da diese Verbindung den Status der jungen Psy choanalyse als Wissenschaft bedrohte. Dies hängt wesentlich damit zusammen, dass in der abendländisch-christlichen Geschichte das jüdische Denken strikt partikularisiert wird und nur das Christentum und sein aufklärerisches Erbe Anspruch auf universelle Geltung er heben.
In diesem Vortrag möchte ich zeigen, wie insbesondere das methodi sche Vorgehen, das Freud paradigmatisch in seiner Grundschrift »Die Traumdeutung« entfaltet, der »talmudischen Denkweise« strukturana log entspricht, so dass er schließlich sagen kann, er habe die Träume wie »heilige Texte« gelesen. Beide, die »heiligen Texte« und die Träume, treten gleichsam erst durch ihre Deutung hindurch in Kraft und sind sensu Loch in einem konstruktiven Prozess auf ihre Aktualisierung angewiesen. Diese Entsprechung rechtfertigt den weitergehenden Schluss, dass die Freudsche Psychoanalyse die einzig noch existie rende talmudische Wissenschaft ist, was in einem abschließenden Teil diskutiert und problematisiert werden soll.
Priv.-Doz. Dr. Dr. Wolfgang Hegener Psychoanalytiker und Ausbil dungsanalytiker (DPG/IPV/DGPT) in Berlin und Hochschullehrer für Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Promotion in Psychologie und Jüdischer Theologie, Habilitation in (Psychoanaly tischer) Kulturwissenschaft. 2022-2025 Studium der evangelischen Theologie im Kirchlichen Fernunterricht (KFU). Mit-Herausgeber des »Jahrbuchs der Psychoanalyse«. Interessenschwerpunkte: Jüdische Wurzeln der Psychoanalyse; zur Psychoanalyse des Antisemitismus; zum Verhältnis von Psychoanalyse und Philosophie. Letzte Buchveröf fentlichungen: »Heilige Texte. Psychoanalyse und talmudisches Ju dentum« (Psychosozial-Verlag 2017), »Schuld-Abwehr. Psychoanalyti sche und kulturwissenschaftliche Studien zum Antisemitismus« (Psy chosozial-Verlag 2019), »Im Anfang war die Schrift. Sigmund Freud und die Jüdische Bibel« (Psychosozial-Verlag 2023) und zusammen mit Karin Zienert-Eilts »Herbert Rosenfeld – Then and Now: The Signi ficance of His Work for Contemporary Psychoanalysis« (Karnac 2024).
Auf diese Vorlesung wollen wir heute bereits aufmerksam machen und stehen Ihnen für Ihre Fragen hierzu gerne zur Verfügung.
Mit herzlichem Dank!
Isolde Böhme Barbara Heinzmann Helmut Hinz Köln /
Tübingen, im Februar 2026
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